Genf - Ein schweizerisch-italienisches Forscherteam setzt einen Meilenstein für die Nutzung geothermischer Energie aus grosser Tiefe. Seine Studie belegt, dass Bohrungen bis auf fast 3000 Meter Tiefe möglich sind, ohne nennenswerte seismische Aktivitäten auszulösen. Damit könnte eine erneuerbare Wärme- und Stromquelle erschlossen werden.

Einem Forschungsteam ist es laut einer Medienmitteilung erstmals gelungen, fast 3000 Meter tief zu bohren, ohne seismische Aktivitäten auszulösen. Ziel solcher Bohrungen ist, in dieser Tiefe eine geologische Schicht zu erreichen, in der vermutlich überkritische Fluide gefunden werden können. Diese Stoffe sind so heiss, dass die Unterschiede zwischen flüssigen und gasförmigen Zuständen aufhören zu existieren. Sie weisen einen sehr starken Energiegehalt auf. Damit gelten sie als die leistungsfähigsten erneuerbaren Energiequellen der Erde. 

Die Studie wurde von einem Team der Universität Genf (UNIGE) in Zusammenarbeit mit italienischen Kollegen der Universität Florenz und des Nationalen Forschungsrats (CNR) Italiens im geothermischen Feld Larderello in der Toskana durchgeführt. Die jüngste Bohrung dieses Teams war Teil des europäischen Projekts DESCRAMBLE. Sie „war einzigartig, weil sie auf den vermuteten Übergang zwischen festem und geschmolzenem Gestein abzielte“, wird Professor Matteo Lupi vom Institut für Geowissenschaften an der UNIGE in der Medienmitteilung zitiert. Acht Messstationen im Umkreis von acht Kilometern haben dabei die seismische Aktivität gemessen.

„Die gute Nachricht ist, dass die Bohrungen auf der Suche nach überkritischen Fluiden zum ersten Mal nur minimale seismische Störungen verursachten, was unter solchen Bedingungen eine Meisterleistung und ein starkes Zeichen für den technologischen Fortschritt war“, so Lupi weiter. Die Schwelle von 3000 Metern sei wegen des extrem hohen Temperaturanstiegs jedoch knapp nicht erreicht worden. Am Ende fehlten 250 Meter. „In diesem Raum gibt es noch Raum für technische Fortschritte“, erklärt UNIGE-Forscher Riccardo Minetto. 

Diese Studie zeige, dass die überkritischen Bohrungen gut verlaufen sind und dass die Technologie kurz davor stehe, beherrscht zu werden. „Die Geothermie könnte eine der Hauptquellen unserer Zukunft sein“, betont Lupi. Deshalb seien weitere Investitionen und Forschungen „nur richtig“. mm